Ratgeber: Druckverlust der Heizung

19.11.2021
  9 Minuten
Autor: EWE ZuhauseWärme-Redaktion

Heizung verliert Druck – Ursachen und Maßnahmen

Die Heizung verliert Druck, wenn Wasser aus der Anlage entweicht. Das kann die Wärmeversorgung beeinträchtigen und der Anlage schaden, denn Heizungsanlagen arbeiten nur mit einem bestimmten Druck effizient. Der Wasserdruck sorgt dafür, dass jeder Heizkörper zu jedem Zeitpunkt mit Wärme versorgt wird. Wie Sie Druckverlust in Ihrer Heizungsanlage erkennen und was zu tun ist, erfahren Sie hier.

Die ersten Anzeichen: Wie erkenne ich Druckverlust?

Oft bemerken Bewohner den Druckverlust erst dann, wenn die Heizkörper nicht richtig oder gar nicht warm werden. Die Heizkörper schaffen es nicht mehr, den Raum aufzuheizen. Wenn die Heizung nicht richtig warm wird, kann das mehrere Gründe haben. Einen Überblick möglicher Ursachen finden Sie in unserem Ratgeber Kalte Heizung.

Ob der Leistungsverlust tatsächlich an zu geringem Druck liegt, können Sie schnell überprüfen: Es reicht ein Blick auf das Manometer der Heizung (siehe Titelbild), um den Wasserdruck zu checken. In der Regel sind beim Manometer zwei Zeiger wichtig: Der schwarze Zeiger markiert den aktuellen Wasserdruck, der rote zeigt üblicherweise den maximalen Wasserdruck an. In manchen Fällen markiert der rote Zeiger allerdings auch den optimalen Druck. Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie am besten Ihren Installateur, welcher Druck hier per Zeigereinstellung markiert worden ist. Der zulässige Bereich ist häufig farbig markiert, grün für den zulässigen Bereich, rot für zu hohen Druck. Liegt der schwarze Zeiger unterhalb des grün markierten Bereiches, liegt wahrscheinlich eine Störung vor: Der Wasserdruck ist zu niedrig. In einem herkömmlichen Einfamilienhaus ist das der Fall, wenn das Manometer einen Wert unter 1,0 bar anzeigt.

Langfristig können durch den falschen Druck im Heizungssystem gravierende Schäden entstehen: Die Luft im Heizkörper fördert Korrosion und Pumpen können ohne Wasser Lagerschäden erhalten. Allerdings schaltet sich die Heizung in modernen Anlagen bei zu niedrigem Wasserdruck in der Regel selbst ab. Auch hier sollten Sie bei Unsicherheiten in der Betriebsanleitung Ihrer Anlage nachlesen oder bei Ihrem Installateur nachfragen.

Was ist der passende Wasserdruck für meine Heizung?

Der Druck einer gewöhnlichen Heizungsanlage liegt im Einfamilienhaus zwischen 1,5 und 1,8 bar. Je nach Anlage und Haus variiert dieser Druck jedoch: Der Höhenunterschied zwischen Heizkörper und Heizkessel ist einer der ausschlaggebenden Faktoren. Denn der Wasserdruck sorgt dafür, dass das Heizwasser Höhenunterschiede überwinden kann. Befindet sich die Heizungsanlage im Keller, benötigt sie einen höheren Wasserdruck, um Heizkörper im zweiten Stock mit Warmwasser zu erreichen. Versorgt die Heizungsanlage nur eine Etage, ist der benötigte Druck geringer. Grob gesagt sollte an der höchsten Stelle im Gebäude der Wasserdruck etwa 0,5 bar über dem Druck der Wassersäule liegen. 10 m Wassersäule entsprechen 1 Bar.

Auch die Anlagentemperatur beeinflusst den Wasserdruck: Erhitztes Wasser dehnt sich aus, ein Druckanstieg in der Anlage ist die Folge. Zudem wird der Mindestdruck oft etwas aufgerundet, um etwa 0,3 bar. Das dient dazu, mögliche Druckverluste auszugleichen.

Weil all diese Faktoren je nach Anlage und Gebäude variieren, sollten Sie den für Ihre Heizung nötigen Wasserdruck unbedingt kennen. Sind Sie sich unsicher, fragen Sie am besten jemanden vom Fach. So schützen Sie die Heizungsanlage vor Schäden durch falschen Druck.

Heizung verliert Druck – was tun?

Ein Druckverlust lässt sich meist recht unkompliziert beheben. Beachten Sie jedoch, dass Heizungssysteme genau eingestellt werden müssen, damit sie effizient arbeiten und lange halten. Falsch eingestellte Systeme nehmen Schaden, unter anderem durch zu hohen oder zu niedrigen Druck. Wasser auffüllen ist nicht schwer, wie das geht erklären wir weiter unten. Wenn Sie nicht sicher sind, beauftragen Sie am besten einen Fachmann. Auch Versicherungen schränken hier mitunter eigenes Handeln ein.

Ursachen: Warum verliert die Heizung Druck?

Ist der Heizungsdruck zu niedrig, gibt es dafür einige mögliche Ursachen:

  • Häufiges Entlüften
    Beim Entlüften der Heizung öffnen Sie das Entlüftungsventil am Heizkörper und entlassen überflüssige Luft aus dem Heizsystem. Das Entlüften der Heizung ist eine gängige Maßnahme, um Geräusche in den Heizkörpern und ungleichmäßige Wärmeverteilung zu verhindern. Häufiges Entlüften kann allerdings zu Druckverlust führen. In dem Fall füllen Sie am besten selbst Wasser nach. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie das geht, können Sie einfach bei Heizungsfachleuten nachfragen, wenn der nächste Wartungstermin ansteht. Ist der Wasserdruck bereits zu niedrig, nehmen Sie am besten zeitnah Kontakt auf.
  • Membranausdehnungsgefäß defekt oder falsch eingestellt
    Das Membranausdehnungsgefäß (MAG) hilft dabei, den Druck in einem geschlossenen System konstant zu halten beziehungsweise auszugleichen. Wir sprechen dann von einer Druckhaltefunktion beziehungsweise einer Druckausgleichsfunktion. Abhängig von der Temperatur dehnt sich das Heizungswasser aus oder es zieht sich zusammen. Weil die Heizungsanlagen materialbedingt meist eine geringe Dehnungskapazität aufweisen und sich das Heizwasser dadurch nicht ausdehnen kann, erhöht sich der Druck im System. Ohne funktionierendes Ausdehnungsgefäß kann dieser erhöhte Druck die Heizungsanlage schädigen: Heizungsrohre und Druckbehälter könnten platzen. Gegebenenfalls öffnet sich das Überdruckventil und das überschüssige Wasser entweicht. Sinkt die Temperatur, fehlt das zuvor entwichene Wasser und der Wasserdruck ist zu tief. In diesem Fall schalten moderne Heizungen ab.
  • Wasserverlust durch Leckagen
    Durch undichte Heizrohre, Heizkörper, Heizkessel oder Armaturen kann Wasser entweichen. Leckagen sind je nach Bereich unterschiedlich schwierig zu identifizieren. Im sichtbaren Bereich machen feuchte Wände und Böden schnell klar, wo der Fehler liegt. Unter dem Putz oder am Kessel, der in Betrieb ist, lässt sich eine undichte Stelle dagegen nicht sofort erkennen. Wenn Sie vermuten, dass Ihre Heizungsanlage undicht sein könnte und Wasserverlust der Grund für den niedrigen Druck ist, sollten Sie sie unbedingt von einem Fachbetrieb prüfen lassen!
  • Sicherheitsventil
    Das Sicherheitsventil schützt vor zu hohem Druck, indem es Heizwasser austreten lässt, sobald ein zuvor festgelegter Wert überschritten wird. Ist das Ventil zu klein, öffnet es sich frühzeitig – der Druck innerhalb der Heizungsanlage fällt ab. Zudem ist eine Beschädigung des Sicherheitsventils denkbar. Ein zu großes Sicherheitsventil sorgt hingegen für Überdruck.

Folgen: Was passiert bei zu hohem oder zu niedrigem Druck in der Heizung?

Ein zu niedriger Wasserdruck führt zu ungleichmäßiger Wärmeverteilung in der Heizungsanlage: Nur die Heizkörper in der Nähe der Heizung werden gleichmäßig warm. Weiter entfernte Heizkörper, beispielsweise im ersten Stock, erreicht das Heizwasser erst gar nicht. Auch ein Gluckern oder Pfeifen deutet auf einen zu niedrigen Wasserdruck hin.

Macht Ihre Heizung Geräusche, kann das aber auch ganz andere Gründe haben. Welche Ursachen dahinterstecken können, haben wir im Ratgeber Heizung klopft zusammengetragen.

Achtung: Einige moderne Heizungsanlagen schalten bei zu niedrigem Wasserdruck automatisch ab.

Maßnahmen bei Druckverlust

Verliert Ihre Heizung Druck, können Sie den Wasserdruck selbst korrigieren. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie das geht. Trotzdem empfehlen wir, wenigstens beim ersten Nachfüllen auf die Expertise von Fachleuten zu setzen. Wer einmal unter Anleitung das Wasser nachgefüllt hat, kann das mithilfe unserer Anleitung meist problemlos wiederholen. Eine ausführliche Einweisung ist aber in den allermeisten Fällen zu empfehlen, um Beschädigungen zu vermeiden.

Aber Achtung: Bei dauerhaftem oder häufigem Druckverlust ziehen Sie am besten jemanden vom Fach hinzu. Müssen Sie öfter als ein- bis zweimal jährlich Wasser auffüllen, deutet das eventuell auf ein ernsthaftes Problem hin. Anlagenbauteile sollten daher besser von Fachleuten überprüft werden. Generell empfehlen wir eine regelmäßige Kontrolle der Heizungsbauteile. Auch lohnt sich ein Blick auf Ihre Versicherung: Mögliche (Folge-)Schäden sind bei eigenem Handeln unter Umständen nicht abgedeckt. Sind Sie sich unsicher, lassen Sie sich lieber beraten.

Heizungswasser nachfüllen: Schritt für Schritt

Sie haben einen zu niedrigen Wasserdruck als Grund für die verringerte Heizleistung Ihrer Anlage identifiziert? Dann geht es jetzt daran, das Heizwasser aufzufüllen. Installateure verlangen dafür in der Regel zwischen 50 und 100 Euro. Die Preise schwanken je nach Region und Anbieter, weshalb ein Kostenvoranschlag sinnvoll ist. Nach einer Einweisung können Sie auch selbst loslegen.

Hinweis: Je nach Wasserhärte muss das Wasser vor dem Einfüllen in die Heizungsanlage ggf. aufbereitet werden. Ein zu kalkhaltiges Wasser kann die Heizungsanlage beschädigen. Ihr Heizungsinstallateur vor Ort weiß genau über die Wasserqualität in Ihrem Wohngebiet Bescheid – und auch darüber, wie sie für Ihre Heizung im Idealfall sein sollte.

Wasserdruck ablesen

Den aktuellen Druck überprüfen Sie am Manometer. Es befindet sich am Bediendisplay der Anlage oder in der Nähe an einem Heizungsrohr. Dafür müssen Sie den optimalen Wasserdruck der Anlage kennen, denn einen pauschal gültigen Optimalwert gibt es nicht. Kontrollieren Sie den Wasserdruck regelmäßig, erkennen Sie einen sich anbahnenden Druckabfall in der Regel frühzeitig und können zeitnah gegensteuern. Je nach Ursache müssen eventuell zunächst Ventile ausgetauscht oder defekte Heizungsrohre repariert werden.

Wasserschlauch anschließen

Wählen Sie einen Schlauch mit passender Verschraubung und schließen Sie ihn an die Heizungsanlage an. Oft passt ein Gartenschlauch. Achten Sie darauf, dass sich kein Schmutz im Schlauch befindet.

Heizung vorbereiten

Bevor Sie das Wasser nachfüllen, schalten Sie die Heizung und die Umwälzpumpe aus und öffnen die Thermostatventile.

Wasser nachfüllen

Schließen Sie das andere Ende des Schlauchs locker an den Wasseranschluss an, sodass Luft austreten kann, wenn Sie den Wasserhahn öffnen. Durch das Füllen des Schlauchs verhindern Sie, dass Luft in den Heizkessel gelangt. Drehen Sie die Schlauchverschraubung nun fest an und öffnen Sie beide Ventile. Beobachten Sie den schwarzen Zeiger des Manometers. Schließen Sie Wasserhahn und Ventile spätestens, wenn der schwarze Zeiger den Sollwert erreicht. Falls dabei Luft ins System gelangt ist, können Sie die Heizung anschließend noch einmal entlüften.

Hinweis: Können Sie nicht auf warmes Wasser aus der Wasserleitung zurückgreifen, regulieren Sie den Wasserdruck nach und nach. Lassen Sie den schwarzen Zeiger also beim Befüllen nicht direkt bis zum Sollwert ansteigen, sondern warten Sie zunächst ab, wie sich der Druck im System entwickelt. Nicht vergessen, nach dem Befüllen die Heizung und die Umwälzpumpe wieder einzuschalten.

Vorbeugen durch Vorsorge

Verliert die Heizung häufig an Druck, sollten Sie unbedingt einen Fachmann beauftragen, denn dann ist technisch etwas an Ihrer Heizung nicht in Ordnung. Falsch dimensionierte oder eingestellte, aber auch defekte Ausgleichsgefäße gehören zu den häufigsten Ursachen, wenn eine Heizung Druck verliert. Mit einer regelmäßigen Überprüfung durch Fachleute lassen sich schwerwiegende Folgeschäden jedoch vermeiden. Benötigen Sie eine neue Heizungsanlage, können Sie mit Wärme-Contracting die Anschaffungskosten sparen und trotzdem von moderner Technik profitieren. Alle Infos finden Sie im verlinkten Artikel.

FAQ – Fragen und Antworten

Warum ist der Wasserdruck der Heizung wichtig?

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Was passiert, wenn der Druck in der Heizung zu niedrig ist?

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Wie viel Druck darf die Heizung verlieren?

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Wie lange hält ein Ausdehnungsgefäß?

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